Führungsstil 4.0 – Chef sein im Digitalen Zeitalter

Automatisierung, Digitalisierung, flache Hierarchien, Arbeitsrecht: im Digitalen Zeitalter verändern sich die Anforderung an unsere Arbeit – und an die Chefs. Wie der Führungsstil 4.0 aussehen kann, lesen Sie hier. Chef zu sein ist nicht einfach: Hohe Verantwortung tragen, unbequeme Entscheidungen treffen und stets ein offenes Ohr für die Mitarbeiter haben, egal was sich sonst gerade alles abspielt. Heute kommen noch einige neue Herausforderungen für Vorgesetzte hinzu, denn die Veränderungen, welche die Digitale Revolution mit sich bringt, erfordern einen neuen Führungsstil 4.0.

Führungsstil 4.0

Führungsstil 4.0 und Firmendemographie

Dank des technischen und medizinischen Fortschritts sowie der steigenden Lebensqualität in vielen Ländern, erreichen Menschen ein immer höheres Lebensalter. Das längere Leben, bei gleichzeitig geringeren Geburtenzahlen in den meisten Gesellschaften, bedeutet allerdings, dass der Einzelne bis in ein höheres Alter arbeiten und in die Sozialsysteme einzahlen muss. Menschen jenseits der 70 als aktives Mitglied einer Unternehmensstruktur zu betreuen, ganz à la Robert De Niro als Seniorenpraktikant seiner Anfang-30er Chefin im Film „The Intern“, wird in Zukunft wohl alltäglich. Ältere Mitarbeiter haben andere Bedürfnisse als junge, sie verspüren womöglich nicht mehr den Drang, die Karriereleiter hinaufzuklettern, oder umfangreiche Projekte zu betreuen, doch auch sie möchten motiviert und leistungsfähig bleiben, statt im Trubel außer Acht gelassen zu werden. Zusätzlich fällt es den Senioren im Team vielleicht schwerer, mit dem aktuellen Stand der Technik mitzuhalten, weshalb ihnen die Möglichkeit geboten werden sollte, mit herkömmlichen Geräten und Anwendungen zu arbeiten. Ruhepausen und angepasste Arbeitszeiten sind insbesondere für ältere Mitarbeiter wichtig, da sie in Sachen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit womöglich nicht mit der jungen Generation mithalten können.

Führung und Autorität in Zeiten flacher Hierarchien

Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege – hiermit schmücken sich schon lange nicht mehr nur Start-ups und kleine Unternehmen, auch die Großen schreiben sich Ungezwungenheit auf das Werbeschild. Klingt ja auch super, bloß wo ist der Platz der Vorgesetzten bei aller Gleichstellung? Und wer trägt die Verantwortung, wenn doch einmal etwas schiefläuft? Vielen Chefs fällt es schwer, Autorität und flache Hierarchien miteinander zu vereinbaren. Die Rangordnung verschwimmt, Mitarbeiter müssen ihr Vorgehen nicht ständig erklären, dokumentieren und rechtfertigen. Trotzdem ist Koordination und Strukturierung nötig. Die Antwort des Führungsstils 4.0 auf diese veränderte Hierarchieordnung ist Vertrauen – Kontrolle und Druck von oben funktionieren ohnehin nicht auf Dauer. Mitarbeiter sollen ihre Freiheit genießen und eigene Wege gehen, tragen jedoch gleichzeitig auch einen Teil der Verantwortung. Aufgabe des Leaders ist es im Gegenzug, Zeit zu gewähren, Vertrauen zu schenken und bei Bedarf Hilfe zu leisten.

Führung und Autorität in Zeiten flacher Hierarchien

Anstatt durch Machtgehabe erreicht man Autorität im Digitalen Zeitalter beispielsweise über Authentizität. Auch der Boss darf vermeintliche Schwäche zeigen und kommunizieren, zugleich sollte er oder sie stets den Überblick behalten und verlässliche Anlaufstelle für alle Mitarbeiter sein. Das Leadership-Prinzip Leading Out Loud beinhaltet, dass Verantwortungsträger kontinuierlich über ihren Führungs- und Lernprozess sprechen, ihre Entscheidungen begründen, Informationen weitergeben und auch Herausforderungen offen kommunizieren. Geht der Chef als gutes Beispiel voran, entsteht im besten Fall eine offene und kommunikative Unternehmenskultur, in der jeder breit informiert ist und gleichzeitig wertvolles Feedback von Kollegen und dem Boss erhält.

Führung in Zeiten ständiger Erreichbarkeit

Auch in Bezug auf die Gesetzeslage bringt das Digitale Zeitalter viele Herausforderungen. Wie zum Beispiel wird die Mindestruhephase, bzw. die maximale Arbeitszeit überwacht, wenn Mitarbeiter auf Geschäftsreise oder im Homeoffice bis kurz vorm Schlafengehen E-Mails beantworten? Insbesondere Gewerkschaften und Behörden schlagen Alarm, denn sie befürchten, dass zu lockere Regelungen bei Remote Working die Gesundheit von Arbeitnehmern gefährden könnten. Folglich wird es zur Chefsache, verbindliche Regeln mit dem Team zu vereinbaren und auch in Zeiten von mobiler Kommunikation, hoher Eigenverantwortung und Flexibilität, Erholungsphasen für Mitarbeiter bestmöglich zu garantieren. Hierfür muss der Führungsstil 4.0 herkömmliches Zeitmanagement neu denken: knapp bemessene Deadlines und kurzfristige, unangekündigte Arbeitsaufträge sind ein No-Go. Solch schlechtes Time-Management versetzt Mitarbeiter gezwungenermaßen in Stress und das vielfach heraufbeschworene Szenario von ständiger Abrufbereitschaft und durchgearbeiteten Nächten im Homeoffice wird zur Realität.

Führungsstil 4.0

Mensch im Zentrum von Führung 4.0

Bei allem Fortschritt und aller Technologisierung gibt es eine Konstante: den Menschen. Egal, wie viel Arbeit uns Maschinen abnehmen können, der Mensch bleibt im Zentrum des Geschäftsprozesses, denn nur er ist in der Lage, empathisch zu handeln, oder kreativ zu denken. Eben weil Digitalisierung und Automatisierung ein immer größeres Maß annehmen, ist es für Vorgesetzte so bedeutend, eher Menschenkenner, als Fachexperte zu sein. Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern auch in Zukunft Anerkennung und Aufmerksamkeit schenken, sowie ihnen anspruchsvolle Tätigkeiten bieten und bei der persönlichen Entwicklung unterstützen. Womöglich wird der zwischenmenschliche Aspekt von Führung in Zukunft sogar noch bedeutender, da Menschen weniger face-to-face mit Kollegen zusammenarbeiten, dafür zunehmend mobil, ganz orts- und zeitunabhängig. Dennoch wünschen sich Arbeitnehmer menschliche Rückmeldung und Anerkennung für ihre erbrachten Leistungen.

 

 

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