Mit Citrix im Lizenzdschungel

Viele Unternehmen unterliegen dem Trugschluss, sich mit Cloud-Lösungen von Citrix etwas Modernes und Innovatives ins Haus zu holen. Nach der eher kniffligen Auswahl der geeigneten Software-Komponenten und beim Blick auf die komplizierten Lizenzmodelle werden sie jedoch schnell eines Besseren belehrt.

Um das Lizenzdilemma etwas besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Schlüsselelemente der Citrix-Lizenzierung in Zusammenhang mit den beiden Flagschiffen XenApp und XenDesktop. Hinter der XenApp verbirgt sich eine host-basierte Anwendung sowie ein Server-Desktop-Publishing-System, das auf der Terminal Server-Technologie von Microsoft basiert. Es wurde von Citrix geschrieben und wird bis heute von Citrix gewartet, was an den eher unzeitgemäßen Wartungsverträgen – End-of-Life der Versionen 4.5 und 5 Ende 2005, Version 6 läuft nur noch drei Jahre – abzulesen ist. Die XenApp wird selten als Einzellizenz verkauft. Zumeist geht sie als Teil der XenDesktop Enterprise- oder Platinum Edition über den Ladentisch.

XenDesktop ist eine Kombination aus XenApp und VDI-Technologie, die eine einzelne VM (Virtual Machine) für jeden User mit einer Kopie eines Windows-Desktop als Betriebssystem bereitstellt. Im Rahmen von XenDesktop bietet Citrix Benutzer-, Geräte- sowie Concurrent-Lizenzen.  Hinter der Workspace Suite verbirgt sich eine XenDesktop Platinum-Edition kombiniert mit einer XenMobile Enterprise (mit ShareFile)-Edition. Diese kann je nach Kundenwunsch mit Benutzer- wie Geräte-Lizenzen erworben werden. Das Workspace-Bundle ist ebenfalls eine XenDesktop Platinum-Edition in Kombination mit einer XenMobile Enterprise (mit ShareFile)-Edition, die aber mit Concurrent-Lizenzen für eine gleichzeitige Nutzung durch verschiedene Personen angeboten wird.

Benutzer-, Geräte und Concurrent-Lizenzen

Der Bedarf an Benutzer- und Geräte-Lizenzen wird mithilfe des Citrix-Lizenzierungsservers ermittelt und die Lizenzen werden nach der Ermittlung über diesen auch ausgegeben. Loggen sich mehrere Benutzer auf demselben Gerät ein, sollte es mit einer Gerätelizenz versehen sein, nur dann darf eine beliebige Anzahl an Benutzern das Gerät einsetzen. Möchte sich nun ein Nutzer auf mehreren Geräten einloggen, die nicht mit einer Gerätelizenz versehen sind, dann erhält diese Person eine Nutzerlizenz. Diese Lizenzen dürfen 90 Tage lang nach dem letzten Login nicht zurückgefordert werden, bevor nicht mithilfe eines Citrix-Dienstprogramms manuell eine Freigabe erfolgt.

Die folgende Aufstellung soll verdeutlichen, wie viele Lizenzen in einem Standardfall nach der Lizenzformel anfallen können:

A – C + B = Anzahl an erforderlichen Benutzer-/Geräte-Lizenzen

A= Gesamtanzahl der Benutzer
B= Gesamtanzahl der freigegebenen Geräte
C= Anzahl der Benutzer, die nur freigegebene Geräte nutzen.

Arbeiten 800 Personen in einem Unternehmen, in dem sich 300 freigegebene Geräte und 400 Benutzer befinden, die nur diese freigegebenen Geräte einsetzen, benötigen Sie 700 Benutzer-/Geräte-Lizenzen. In bestimmten Fällen sind Concurrent-Lizenzen zur gleichzeitigen Nutzung die bessere Lösung. Diese sind aber in etwa doppelt so teuer wie Benutzer- oder Geräte-Lizenzen. Bei der Entscheidung für ein Lizenzmodell ist also äußerste Vorsicht geboten. Arbeiten zum Beispiel 1000 Personen in einem Unternehmen, aber nur 400 von ihnen loggen sich zu einem gegebenen Zeitpunkt ein, dann sind Concurrent-Lizenzen die beste Wahl – solange das Verhältnis mehr als 2-zu-1 ist (wenn sich die Lizenzen also mehr als verdoppeln).

Weitere Stolpersteine

Es gibt noch weitere Faktoren, die bei der Wahl der Lizenzmodelle berücksichtigt werden müssen. Bei diesem Lizenz-Konzept müssen Server wie die verschiedenen Gruppen von Zugriffslizenzen streng voneinander getrennt gehalten bzw. gepflegt werden. Was den Einsatz und die Nachverfolgung der Lizenzen erschwert und damit einer Kostentransparenz und Compliance im Wege steht.

Nicht gerade Licht in den Lizenzdschungel bringt zudem die Tatsache, dass XenApp oder XenDesktop VDI oder auch beide von einem bestimmten Nutzer gleichzeitig mit einer Lizenz genutzt werden können. Mit jedem der beiden Produkte ist also eine unbegrenzte Anzahl von Hosts erlaubt. Citrix überprüft nur die Nutzerlizenzen. Gewöhnlich kommt Citrix seinen Kunden entgegen, in dem es eine Überschreitung von 10 Prozent ohne weitere Lizenzbeschränkungen erlaubt. Mit der Einführung von XenDesktop 7.6 wird dieser Bonus aber wieder zugunsten einer 15-tägigen „Schonfrist“ aufgegeben. Dann wird auf die zwangsweise Durchsetzung der Lizenzanzahl verzichtet, bis die maximale Lizenzanzahl zum ersten Mal erreicht wird. Ab diesem Zeitpunkt werden 15 Tage lang zusätzliche Nutzer geduldet. Nach 15 Tagen greift die strikte Durchsetzung und kein Nutzer, der über der ursprünglich erworbenen Lizenzanzahl liegt, kann sich mehr einloggen. Auf dem Papier liest es sich leicht, in der Praxis bedeuten solche Engpässe, die durch fehlende Lizenzen verursacht werden, einen großen Schaden. Ein Schaden, der durch etwas mehr Transparenz in der Lizenzierung und damit einer besseren Sicherstellung der Compliance, gar nicht erst entstanden wäre.

Citrix-Lizenzierung: https://www.citrix.de/buy/licensing/product.html

Citrix Licensing Demystified: http://www.whitehatvirtual.com/blog/citrix-licensing-demystified

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